Jetzt nach Costa Rica reisen?

Jetzt nach Costa Rica reisen?

/ 23. September 2020 /

Wenn du dir überlegst, jetzt nach Costa Rica zu reisen, weil das eines der wenigen Fernreiseländer ist, das Europäer aufnimmt, dann solltest du ein paar Infos an der Hand haben! Dieser Artikel ist – anders als sonst mein Geschreibsel auf diesem Blog – ein Service-Beitrag für Reisende. Viele deutschsprachige Familien und Digital Nomads, die für 2020 eine Weltreise geplant hatten, überlegen jetzt, ob sie vielleicht doch noch irgendwie aus dem europäischen Alltag ausbrechen können. Costa Rica hat schon im August seine Grenzen für Europäer geöffnet und scheint deshalb attraktiv. In den Foren begegnen mir immer mehr Fragen zu diesem Land. Wir sind jetzt schon seit 7 Monaten hier als Reisefamilie und in manchen Punkten kann ich euch vielleicht weiterhelfen. Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und bin auch keine Einheimische, aber vielleicht habe ich trotzdem ein paar wertvolle Hinweise für dich, damit du dieses tropische Paradies geniessen kannst!

Einreise

Wer normalerweise in Costa Rica einreist, bekommt automatisch ein Visum und eine Fahrerlaubnis für 3 Monate. Seit März 2020 hat die Regierung für gestrandete Touristen dieses Visum immer wieder automatisch verlängert, ohne, dass man irgendwo stempeln muss. Erst vor kurzem wurde verkündet, dass alle Touristen, die vor dem 31. Oktober 2020 einreisen, automatisch ein Visum bis zum 2. März 2021 bekommen. Die, die danach einreisen, bekommen ein normales 3-Monats-Visum. Das ist natürlich sehr toll, für Leute, die gerne länger bleiben wollen ohne bürokratischen Aufwand. Ich bin wie gesagt noch nicht lange mit Costa Rica vertraut, aber meine Beobachtung ist, dass die Regierung solche Änderungen in der Pandemie kurzfristig verkündet. Generell ist es in ihrem Interesse, dass Leute wie wir hier im Land bleiben und Geld ausgeben, und bis jetzt haben sie alle Gesetze so gemacht, dass wir das auch können. Danke!

Wer einreist, muss allerdings momentan ein bisschen Papierkram erledigen. Costa Rica möchte sich einerseits durch einen Corona-Test beim Abflug absichern, dass die Einreisenden nicht das Virus mitbringen, andererseits einen Nachweis haben, dass sie eine eigene Krankenversicherung haben. Die Regierung selbst bietet eine eigene Versicherung an, die aber für viele Leute teurer ist als eine Standard-Auslandskrankenversicherung. Diese Versicherung muss allerdings auch nachweisen, dass im Falle einer Quarantäne 2.000 US Dollar Hotelkosten übernommen werden. Die Erfahrungen von Deutschen, die seit August nach Costa Rica eingereist sind und sich um diese Dinge gekümmert haben, scheinen sehr unterschiedlich zu sein. Einige hatten mit dem Versicherungsanbieter HanseMerkur Glück, haben einen Nachweis bekommen und konnten einreisen. Andere wurden von den Mitarbeitern der Versicherung wegen der globalen Reisewarnung aber abgewiesen. Wie genau die Lage im Krankheitsfall ist, wo die Deutschen dann in Quarantäne müssten und wer dann für die Unterkunft zahlt, dazu habe ich keine Erfahrungsberichte gefunden. Wer sich genauer informieren will, dem empfehle ich, der Facebook-Gruppe „Deutsche in Costa Rica“ beizutreten und dort einfach mal durch die Diskussionen zu scrollen. Das Gleiche gilt übrigens auch für „Schweizer in Costa Rica“.

Corona in Costa Rica

Jetzt ist Ende September, und die Corona-Zahlen in Costa Rica steigen. Die Krankenhäuser sind zu einem guten Teil ausgelastet, und wenn es zu viele Fälle in einer Region gibt, dann wird sie als „zona naranja“ deklariert und erlebt wieder mehr Einschränkungen. Die Regierung hat vor einiger Zeit berechnet, dass Oktober die Hochphase des Virus sein sollte. Viele Menschen hier haben Angst vor dem Virus, gleichzeitig geht das Leben irgendwie weiter. Der Regierung ist klar, dass der Tourismus sehr wichtig ist für die Wirtschaft. Hotels haben fast als erstes geöffnet gehabt nach dem ersten Lockdown, und auch wenn es zu Fahreinschränkungen kommt: Mietwagen dürfen immer fahren! Dementsprechend versuchen sie, den Aufenthalt von Reisenden so frei wie möglich zu halten. Nationalparks sind weitgehend geöffnet, und auch einkaufen oder essen gehen sollte kein Problem sein. Man könnte also sagen, Reisen ist easypeasy machbar – wären nicht die Strände immer wieder geschlossen. Am Anfang der Pandemie war es landesweit verboten, an den Strand zu gehen, aus Angst vor Menschenmassen. Mittlerweile ist in vielen Regionen der Strand von morgens bis 14:30 geöffnet. Wenn es aber zu einem Anstieg der Fälle kommt, dann schliessen die Strände wieder komplett oder nur bis 10 Uhr morgens. Wer nicht Spanisch spricht und trotzdem die neusten Änderungen verfolgen möchte, dem kann ich das englischsprachige Nachrichtenportal Tico Times mit aktuellen Nachrichten aus Costa Rica empfehlen. Was für uns strenge Regeln sind, die wir Europäer auch instinktiv befolgen wollen, so ist das im Alltag in Costa Rica etwas anders. Einige Leute wohnen ja direkt am Strand, und sobald der Strand nicht super touristisch oder kontrolliert ist, kümmern sich viele nicht um diese Vorschriften. Die eigentlich wichtige Regel ist ja Abstand halten – und dafür ist der Strand in Costa Rica ja wirklich weit genug. Mein Tipp also: Nicht die zentralen Touristenhotspots wie Manuel Antonio oder Jaco anfahren, sondern vor Ort die Einheimischen fragen, wo man noch baden kann. Meistens gibt es irgendwo Buchten, die schön abgelegen sind oder die von Bäumen versteckt sind, und auch dort kann man ganz wunderbare Strandtage verleben. Wir wurden sogar schon von den Rettungsschwimmern selbst, die den Strand kontrollierten und Badegäste verscheuchen mussten, mit solchen Tipps ausgestattet! Ein bisschen Pura Vida und Eigenverantwortung schadet nicht. Am Entspanntesten waren die Strände in der Karibik für uns.

Zeit für ein entschleunigtes Leben

Wir selbst haben zwei verschiedene Modi, seit wir hier sind. Entweder sind wir einfach an einem Ort, haben für einen Monat oder länger irgendwo ein Häuschen, baden in Flüssen in der Umgebung oder geniessen den Strand in der Nähe. Oder wir mieten ein Auto und brausen durch das Land, versuchen, jeden Tag etwas zu entdecken und die Parks abzuklappern. Die zweite Art zu reisen ist uns momentan zu stressig. Erfahrungen dazu kannst du hier lesen. Wahrscheinlich hat der Lifestyle der Einheimischen schon auf uns abgefärbt. So viele Gesetze ändern sich immer wieder, Infos sind manchmal online schwierig herauszufinden (Welcher Park hat jetzt genau offen? Können wir vor Ort essen gehen?), und einige Infrastruktur ist vielleicht auch momentan nicht intakt. Tipps, du uns dabei geholfen haben, findest du hier. Mit der ersten Strategie – einfach an einem Ort zu sein, und die fremde Natur und Kultur besser kennenzulernen, fühlen wir uns als Familie in diesen unsicheren Zeiten viel gelassener. Falls du und deine Familie also einfach ein bisschen gutes Wetter haben möchtet, während in Europa die Temperaturen sinken, oder falls du online arbeitest und abends einfach ein Bier am Strand trinken willst, dann denke ich, könnte ein Aufenthalt in Costa Rica genau das Richtige für dich sein. Natürlich kann man jetzt auch eine Rundreise machen und das Land entdecken – das würden wir uns auch wünschen, fühlen uns momentan aber nicht danach. Lieber sind wir langsam unterwegs.

Unterkünfte gibt es in Costa Rica noch und nöcher, und weil momentan so wenige Touristen hier sind, gibt es online auch viele Angebote. Für ein oder zwei Nächte findet man vieles auf AirBnB. Um ein Häuschen oder eine Wohnung für einen Monat oder länger zu mieten, würde ich den Kontakt in Facebook-Gruppen empfehlen. Man kann ganz generell bei der Gruppe „Vacational Rental Costa Rica“ anfragen, oder aber schon den Ort heraussuchen. Wer zum Beispiel in Puerto Viejo länger bleiben möchte, der tritt bei Facebook Gruppen wie „Puerto Viejo foro abierto“ oder „Long term rentals Puerto Viejo“ bei und fragt dort nach Angeboten. Für 300 bis 500 Dollar im Monat findet man schon ganz schöne Angebote. Ein Auto zu kaufen ist in Costa Rica eher kompliziert und teuer. Wir achten darauf, dass in der Nähe ein Supermarkt zu Fuss erreichbar ist. Es gibt lokal auch oft Nachbarn, die Taxidienste anbieten, wenn man mal einen Grosseinkauf machen möchte.

Verantwortungsbewusst und abenteuerlich!

Wenn ich mittlerweile das Wort „Pandemie“ höre, dann möchte ich mich am liebsten verkriechen, an einen Ort, wo Ansteckung und Stress nicht so hoch im Kurs stehen. Dazu fühle ich mich hier im tropischen Wald genau richtig: Ich habe keine sozialen Verpflichtungen, zu denen ich eine Maske tragen muss, muss niemandem absagen, darf einfach nur sein und die Isolation geniessen. Ich kann mich in der Natur frei bewegen und meine Kinder können im Garten spielen – wären wir jetzt in Europa, würden wir viel mehr drinnen sitzen. Manchmal lasse ich mich doch in den Strudel der Nachrichten ziehen und natürlich mache ich mir Sorgen um die Kranken hier im Land und auch um die Situation in Europa. Und doch fühle ich mich genau am richtigen Ort. Falls es dir auch so geht, dann lade ich dich ein: Komm, unterstütze Costa Rica auf eine verantwortungsvolle Art und Weise, und geniesse eine Auszeit von der Pandemie!

1 Comment

  1. Mal ein anderer Bericht in einer anderen Zeit, danke dafür. Wenigstens kann man wieder an die Strände in Costa Rica gehen. Auch wenn das Land natürlich viele andere Möglichkeiten bietet, finde ich doch, dass die Strände gerade wegen ihrer Unbebautheit in Costa Rica besonders interessant sind.

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