Souvenirs vom Küchentisch

Souvenirs vom Küchentisch

/ 17. April 2020 /

Jetzt sind wir schon fast ein Jahr unterwegs. Vor genau 12 Monaten haben wir Kisten gepackt und den ersten Flug gebucht. Mehr wussten wir damals selbst nicht. Es war bis jetzt eine tolle Zeit, und jede Phase, jedes Land war anders und bereichernd. Auch unsere Essgewohnheiten haben sich total gewandelt. Insgesamt haben wir dieses Jahr viel gegessen, was wir nicht selbst gekocht haben. Unterwegs zu kochen ist in Wohnungen, in denen es kein Salz oder Pfeffer gibt, auf langen Busreisen oder bei zuvorkommenden Gastgebern eben nicht so der Hit. Dafür gibt es viele Kekse für unsere hungrigen Mädchen, jede Menge Streetfood von der Ecke und selbstgemachte Köstlichkeiten von Menschen, die uns verwöhnen wollen.

Mittlerweile hatten wir aber auch immer wieder Zeiten, in denen wir lange an einem Ort waren und uns mit allen möglichen Zutaten wie Sahne, Basilikum oder Essig eindecken konnten. Momentan sind wir schon über 3 Monate im Süden von Costa Rica und kochen und backen täglich. Da kommen uns natürlich all die leckeren Gerichte, denen wir im Kaukasus, auf der arabischen Halbinsel und auf unseren Irrwegen durch Europa begegnet sind, in den Sinn. Ob wir sie nachkochen können? Wir tun es – und teilen unsere Leckerbissen gerne mit euch!

Ich verrate dir aber vorweg, dass ich (als die Köchin unserer Reisegruppe) mich nicht gerne streng an Rezepte halte. Ich tausche manchmal auch notgedrungen Zutaten aus, überprüfe Mengenangaben nicht und sehe Rezepte eher als Inspiration. Wenn es dir auch so geht und du nicht peinlich berührt bist, wenn ein Nationalgericht entfremdet wird, dann nichts wie los!

Lobio: Geniale Bohnen aus Georgien

Okay ich gebe zu, Bohnen gehörten bis jetzt nicht zu meinem Ernährungsplan. Die Dinger aus der Dose schmecken nicht, und für alle anderen Experimente fehlte mir in meinem alten Leben die Zeit und die Lust. In Georgien stolperte ich zum einen über Lobio, einen sehr leckeren Bohneneintopf, und auch über Gebäck, das mit einer Bohnenmasse gefüllt war. Wir wohnten etwa zwei Wochen bei einer Oma, die uns fast täglich mit selbstgekochtem Essen verwöhnt hat, einmal durch die georgische Küche und durch ihren Garten. Es war köstlich! Bis dahin kannte ich Bohnen nur als geschmacklose Beilage. Und erst viel später recherchierte ich das Rezept für Lobio im Internet und konnte endlich den Trick feststellen, warum dieser Eintopf so lecker ist: Die Bohnen werden nämlich in mehreren Schritten schmackhaft gemacht. Jawoll.

Du brauchst Bohnen (bitte nicht aus der Dose! Nimm die harten, trockenen. Wenn die über Nacht in Wasser eingeweicht werden, geht das mit dem Kochen auch nicht mehr so lange), Zwiebeln und Knoblauch, Essig, Walnüsse, Koriander oder Petersilie, und Kreuzkümmel.

Wir kochen hier mittlerweile fast wöchentlich einen riesigen Pott Bohnen, weil das hier in Costa Rica auch zur Grundnahrung dazugehört. Die Bohnen köcheln also in genügend Salzwasser mit vielleicht ein bisschen Zwiebel und Knoblauch und einem Lorbeerblättchen vor sich hin, und glaubt mir, das kann dauern. Plant genug Zeit dafür ein. Wenn die Bohnen endlich weich genug sind, giesse ich das Wasser ab. Normalerweise hätte ich die jetzt irgendwie serviert, und dann festgestellt, dass sie einfach nicht so lecker schmecken. In Georgien geht es jetzt erst los: Die Bohnen werden locker gestampft, so dass ein paar schon Muss sind, während andere noch ihre Form behalten. Dann wird die Pfanne angeschmissen, und noch mehr Zwiebeln und Knoblauch angebraten. Davon kann man ja wirklich nie genug haben. Dazu kommen ein paar gemahlene Walnüsse und Kreuzkümmel. Und dann die Bohnenmasse, die auch noch einmal gewürzt wird. Die wird jetzt richtig schön mit viel Öl angebraten, und man merkt, wie sich die Aromen mischen. Noch einen Spritzer Essig dazu und gut köcheln lassen. Wenn ihr das jetzt mit Reis oder Kartoffeln esst, werdet ihr merken, wie intensiv Bohnen schmecken können! Natürlich kann man noch so fancy Sachen wie Schinkenwürfel, Granatapfelkerne und so anderen Kram dazu mischen, aber für uns schmeckt schon die einfache Variante einfach super lecker. Wer das Rezept nochmal seriöser nachlesen möchte, kann das auf dieser Seite tun.  

Mojo – Farbtupfer von den Kanaren

Teneriffa war das einzige richtig touristische Land (hehe), in das wir uns verirrt haben. Dementsprechend war auch die Auswahl an Restaurants und Bars auch richtig gross, aber tjaja – wir waren da mit insgesamt 5 Kleinkindern und deshalb stark auf unseren heimischen Küchentisch beschränkt. Wir haben gemeinsam mit unseren profimässig köchelnden Freunden lecker zu Hause gegessen, vor allem Fisch und kindertaugliche Menüs. Bei einem Ausflug haben wir uns dann doch in ein eher touristisches Restaurant verirrt. Das war in Masca, einem malerischen Dorf in den Bergen. Wahrscheinlich haben wir (auf Englisch) einfach unglaublich viel Pommes bestellt für die hungrige Meute, und ein paar heimische Aperitiv-Geschichten. Dabei waren auch zwei kalte Dips, die ganz selbstverständlich auf dem Tisch thronten: Eine rote und eine grüne Sosse. Der Geschmack hat mich überwältigt, und noch in dem Moment fasste ich den Entschluss, dass ich diese Dips irgendwie langfristig essen will. Ich hab also noch auf Teneriffa versucht, im Supermarkt irgendwelche Fertigmischungen zu bekommen oder getrocknete Sossen zu kaufen. Blöde Idee, das schmeckte alles wie pures Glutamat. Doch halb so schlimm, denn zum Glück gibt es online für die typischen „Mojo“-Sossen von den Kanaren jede Menge Rezepte. Sobald wir über Weihnachten in Deutschland waren, habe ich das mal ausprobiert und es hat super geklappt. Wir haben einfach ein grosses Tapas-Buffet für alle aufgestellt. Entdeckst du die zwei Dips auf dem Tisch? Man kann sie mit Kartoffeln (wie auf den Kanaren) oder mit Baguette oder irgendwas essen. Nachlesen könnt ihr die Rezepte hier.

Ich verrate euch: Ihr braucht vor allem einen Mixer, ausserdem jede Menge Knoblauch, Paprikas und Chilis, Petersilie und frischen Koriander. Das sind aber alles Dinge, die ihr locker in einem grossen Supermarkt in Europa bekommt.

Tortillas – Einfach und lecker

Jetzt sind wir in Costa Rica. Hier wird vor allem Reis und Bohnen gegessen. Schon nach wenigen Tagen mussten wir feststellen, dass wir das nicht nur eintönig, sondern auch anstrengend finden. Zweimal am Tag vollwertig kochen oder als Alternative labbrige Reste essen? Gibt es nicht irgendetwas wie eine Brotmahlzeit, bei der man einfach was aus dem Schrank holt und es auf den Tisch stellt und zack – fertig ist die Mahlzeit? Hier gibt es nur Toastbrot und das kostet ungefähr 3mal so viel wie ein Sack Reis und da wussten wir, das kann es auch nicht sein. Und dann haben wir Tortillas entdeckt. Und dann war alles klar.

Tortillas sind runde Fladen aus Maismehl oder Weizenmehl. Wir haben auch schon welche mit Einheimischen selbst gemacht, die sind natürlich unschlagbar, doch in den Geschäften ist alles voll von Fertigpackungen. In Europa hätte ich die kurz in die Mikrowelle gemacht, so wie es draufsteht, doch hier haben wir entdeckt, dass man die Fertigfladen einfach einmal kurz in die trockene, heisse Pfanne legt. Das macht die schön knusprig und die Textur ist viel besser.

Die Leute, die wir in Costa Rica beobachtet haben, essen die Dinger mit Reis und Bohnen (oh Wunder!), oder mit Bratwürstchen und Ketchup. Irgendwie war uns das wieder zu fad und so habe ich mal wieder online recherchiert. Eigentlich würde ich mich gerne kurz nach Mexiko beamen, denn dort scheint das mit dem Essen nochmal einen Gang höher zu laufen. Dort gibt es eine ganze Taco-Kultur, bei der die Tortillas mit Fleisch, Gemüse und jeder Menge scharfen Sossen kombiniert werden. Sehr inspirierend! Und so haben sich die Tortillas zu unserem Reste-Verwert-Schnell-Essen entwickelt. Ein bisschen erinnert es mich an das arabische dünne Brot, das wir im Oman täglich gegessen haben. Eigentlich kann man (nach unserer Familienkultur) einfach alles auf den Tisch stellen und jeder nimmt sich nach Belieben. Einige Zutaten wie Reibekäse oder Frischkäse sind hier rar. Dafür gibt es andere tolle Sachen, die wir uns in der Schweiz nicht so oft gegönnt hätten. Dazu gehört die Kochbanane. Ich mache dir Mut, kauf mal eine im Supermarkt und warte, bis sie schon ein wenig schwarz und weich ist. Dann schneidest du sie nicht in die grössten Stücke und frittierst sie. Mehrmals, und immer wieder dazwischen etwas zerdrücken. Es schmeckt köstlich!

Unsere Lieblingszutaten für Tortillas: Avocado (auch als Guacamole), Hackfleisch oder Kidney-Bohnen, Reibekäse, Tomaten und Gurken und Mais.

Stockbrot à la Paradies

Dieses Gericht gibt es bis jetzt in keinem Land der Welt, ausser an einem entlegenen, menschenverlassenen Strand im Süden Costa Ricas. Hier wird regelmässig ein Lagerfeuer entfacht, wenn unsere Gastfamilie abends im Garten chillt. Irgendwie wollten wir zu dem Chillfaktor etwas beitragen, und haben das germano-helvetische Stock- oder Schlangenbrot eingeführt. Wer das nicht kennt: Es ist ein Hefeteig, den man um das vordere Ende eines Stockes windet und dann über offenem Feuer backen lässt. Ein Rezept dazu findest du hier.

Durch unsere Idee war die gelassene Stimmung dahin, weil alle ums Feuer wuselten und lauthals darum kämpften, dass kein Brot in die Glut fiel. Aber es hat Spass gemacht und wir wollten das unbedingt wiederholen. Die Frage von der Gastfamilie war nur, ob man das Brot nicht noch ein bisschen aufpimpen könnte? Und so wurde das nächste Mal der Teig gezuckert und mit Zimt verfeinert, und statt Bratwurst und Ketchup landete die landestypische Nutella im Stockbrot (zum Glück ist Nutella eines unserer wenigen Luxusgüter auf Reisen und stetiger Begleiter). Mh, gar nicht mal so schlecht, fanden wir. Doch das war nicht alles: Beim nächsten Lagerfeuer zückte einer eine Pfanne mit Bananen, die er darin in Butter über dem Feuer anbriet. In das gezuckerte Stockbrot kam zuerst Nutella, und dann die noch heisse Bananenmasse. Und als wir da in das Stockbrot bissen, wussten wir, wir könnten nie wieder unschuldig an einem Lagerfeuer sitzen, wir würden uns unser Leben lang an diesen sündigen Biss in das wohl Leckerste, was wir jemals aus Stockbrot gemacht haben, erinnern. Und das will ich euch nicht vorenthalten, auch wenn ich kein Foto von diesem heiligen Moment habe.

Liebe geht durch den Magen. Und in manche Gerichte, Zutaten und Gewürze haben wir uns einfach verliebt. Wir werden nie vergessen, wie saftig das Obst am Kaukasus war, und wie lecker die vielen Datteln, von denen wir tagelang im Oman gelebt haben. Fisch wird fast überall sehr fein zubereitet, die indische Küche fasziniert uns mit ihren Gewürzen, und nichts vermissen wir mehr als gute Käse- und Milchprodukte. Dafür haben wir jetzt gerade Ananas und Mangos in Hülle und Fülle, und fühlen uns verliebt und geliebt. Und in diesen Zeiten wünsche ich euch das auch – ein bisschen was neues auf dem Tisch und Freude am Entdecken, wenn man schon nicht reisen kann!

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