Kaukasus – Tipps für auf den Weg

Kaukasus – Tipps für auf den Weg

27.September 2019

Nach 2 Monaten Rundreise durch Georgien, Aserbaidschan und Armenien fühlen wir uns berechtigt, ein Urteil zu fällen: Diese Region wird zu Unrecht vernachlässigt in Reiseführern und in der internationalen Wahrnehmung. Sie ist nicht nur wahnsinnig schön, sondern auch faszinierend und vielfältig. Wir wollen sie dir ein wenig schmackhaft machen – und dir danach verraten, warum du sie auch mit deiner Familie besuchen kannst.

Warum Kaukasus?

– Weil es wahrscheinlich an wenigen Orten so viele Klimazonen, unterschiedliche Landschaften und auch Volksgruppen nebeneinander gibt. Die Länder sind sehr klein und man ist schnell von einer Grenze zur nächsten gefahren, von Steppe zu Urwald zu Hochgebirge. Innerhalb kurzer Zeit kann man so die Vielfalt dieser Region erleben. Besonders gut gefallen hat uns die Bergwelt um Juta, ein Dorf in der Region Kazbegi. Von dort aus führten einige Wander- und Trekkingwege in die wahnsinnig schöne Landschaft. In Armenien haben uns die Canyons fasziniert, die wir entweder von nah oder aus der Ferne sehen durften. Hier waren wir aber froh, dass wir erst im September dort waren – und selbst dann war es mittags noch so heiss, dass wir uns lieber im Schatten eines Baumes aufhielten. Sonnenliebhaber und Naturfreunde sind genau am richtigen Ort.

– Die Preise hier sind extrem budget-freundlich. Wer reist wie wir – in Guesthouses schlafen, die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, ab und zu kochen, aber auch im Restaurant essen – der kann für sehr wenig Geld wunderschöne Ferien haben. Aber auch für höhere Ansprüche ist gesorgt. Überall, wo wir waren, gab es auch Hotels, die wahrscheinlich bessere Badezimmer haben als die, die wir gesehen haben. Darauf muss man sich einstellen: Der Lebensstandard ist einfach nicht auf einem so hohen Niveau wie in Europa. Aber wenn man sich darauf einlässt, hat man die Chance, eine sehr interessante und andere Lebenswelt kennenzulernen.

– Weil die Infrastruktur unkompliziertes und flexibles Reisen möglich macht! Wer aus Europa kommt, der denkt, man muss Sachen reservieren und vorher buchen. Ja kann man – aber dadurch verpasst man viele Möglichkeiten, die sich eben noch ergeben. Dank des Internets und verschiedener Apps konnten wir unseren Reiseverlauf nach unseren aktuellen Bedürfnissen und Wünschen gestalten. Über booking.com oder airbnb haben wir teilweise eine Stunde vor Ankunft noch gute Unterkünfte buchen können. Viele Gastgeber waren überaus flexibel, immer vor Ort und wir konnten unseren Aufenthalt oft noch verlängern, wenn es uns gefallen hat. Die Gastgeber hatten auch kein Problem damit, per Whatsapp in Kontakt zu treten, was die Kommunikation erleichtert hat (google translate und copy paste/insert). Auch die vielen Busfahrten haben wir spontan und unkompliziert antreten können. Ein neue Entdeckung für uns: Apps wie Uber, Yandex oder Bolt besorgen einem im Nu einen hilfsbereiten Taxifahrer. Das ständige Verhandeln mit den anderen, habgierigen Taxifahrern hat uns den letzten Nerv geraubt. Oft wussten sie auch gar nicht, wie sie ans Ziel kommen, und irrten durch die Stadt mit uns. Mit diesen Apps ist alles geregelt: Der Preis, die Adresse. Dank günstiger, einheimischer Simkarte kein Problem. Für diese Region nur zu empfehlen!

– Weil die Länder am Kaukasus noch nicht vom Massentourismus verschluckt wurden. Wir selbst kennen das Phänomen gar nicht so, aber wir haben es erahnt, als wir einmal in Venedig anlegten. Es hat einfach überhaupt keinen Spass gemacht, sich selbst als Teil eines riesigen Fischschwarms zu erleben, der eine Stadt auffrisst. Hier im Kaukasus hatten wir nie das Gefühl. Klar, in Georgien ist der Tourismus wahrscheinlich am fortgeschrittensten und überall sieht man Leute in Trekkingschuhen und mit Selfie-Stick. Wir haben auch jede Menge andere Deutsche getroffen (Rentner? Busreisen?), vor allem in Armenien. Aber noch ist es im Rahmen dessen, was Aufschwung und Jobs mit sich bringt. Wir hatten fast immer das Gefühl, dass sich die Leute freuen, Ausländer zu sehen, und von ihnen profitieren. In einem Ort in Azerbaijan haben die Leute auf unsere Kinder reagiert, als hätten sie noch nie blonde Winzlinge gesehen. Es war sehr süss, wie uns Menschen von der anderen Strassenseite zugewinkt haben und uns neugierig ausfragen wollten.

– Das Essen ist einfach lecker. Wir sind in allen drei Ländern immer wieder ähnlichen Gerichten begegnet. Und dennoch so einer Vielfalt. Die Küche ist einerseits erfrischend, andererseits deftig und reichhaltig. Vor allem umgehauen hat uns die riesige Auswahl an Früchten. Oft haben wir uns auch einfach nur von Pfirsichen, Wassermelonen und Himbeeren ernährt, die man an jeder Ecke kaufen kann. Yummy!

– Weil die Leute einfach nur nett sind. Wir hatten als westliche Touristen das Gefühl, dass man uns mit besonderer Freude begegnet. Sobald man irgendwo hilfslos herumstand, wurde man angesprochen, ob einem geholfen werden kann (natürlich nicht an den touristischsten Plätzen). Wir haben uns nie unsicher oder bedroht gefühlt. Auch um unser Hab und Gut hatten wir überhaupt keine Angst. Einheimische haben für uns verhandelt, übersetzt, uns Essen und gute Wünsche geschenkt, Sitzplätze für uns freigehalten und uns Unterkünfte besorgt. Die Gastfreundschaft hat einen hohen Stellenwert und wie schön ist es, von Fremden auf einen Tee oder einen Schnaps eingeladen zu werden! Ausgenommen von dieser Regel sind wohl Budenbesitzer an Klöstern und – ihr ahnt es – Taxifahrer.

Warum Kaukasus mit Kindern?

Lust bekommen? Dann schnapp deine Familie und auf gehts! Wir selbst haben mit unseren zwei Töchtern, 4- und 1 1/2-jährig, die Reise angetreten. Wenn du auch in die Kategorie „Junge Familie mit Hang zum Abenteuer“ gehört, dann musst du das hier lesen:

– Wir dachten ja schon, wir hätten in Deutschland und in der Schweiz positive Begegnungen zwischen unseren Kindern und Fremden gehabt. Aber hier im Kaukasus ist das eine völlig andere Geschichte. Wir als Familie mit kleinen Kindern haben bei Passanten, Verkäufern und Gastgebern einfach schon mal pauschal alle Bonuspunkte gehabt. Wir wurden gelobt und beschenkt, gestreichelt und unterhalten, extra schnell bedient oder vorgelassen, und sehr oft bevorzugt behandelt. Unser Baby hat etwas kaputt gemacht? Kein Problem. Eines unserer Kinder weint ohne Ende? Kein Problem. Ein Kind rennt in Richtung Strasse? Kein Problem – 3 Männer springen bei Fuss. Selten haben wir es erlebt, dass auch nur eine Augenbraue hochgezogen wurde, wenn ein Kind herumschreit. Oft waren viele hilfsbereite Arme da, die ablenken und helfen wollten. Das war sehr schön zu erleben und wir sind den Menschen hier sehr dankbar, weil es unser Reisen als Familie einfach angenehm gemacht hat.

– „Hier herrscht das Gesetz des Kindes“, sagte uns eine junge Frau über ihr Heimatland, Georgien. Und so kommt es, dass Kinder einfach überall mittendrin sind. Im Gegensatz zu unseren Ländern dürfen sie auch mal im Restaurant herumtoben oder im öffentlichen Raum Fussball spielen. Bei uns gibt es zwar mehr Spielplätze, aber hier dürfen Kinder wirklich Teil der Gesellschaft sein und werden nicht abgeschoben. Besonders gefallen haben uns jedoch die Cafés im Zentrum Yerevans, Armenien, die eine integrierte Kinderbetreuung anboten. Wir Eltern konnten gemütlich was trinken, während unsere Kinder beaufsichtigt auf dem coolen Spielplatz toben durften, mitten im Zentrum der wunderschönen Stadt, und das zu einem sehr geringen Preis. Hammer!

– Meine grösste Sorge vor unserer Abreise war die medizinische Versorgung. Ich konnte es mir nicht recht vorstellen, wie wir es im Falle des Falles, dass einer von uns schnell verarztet werden muss, machen würden. Zum Glück kam es nicht so weit. Und ich habe ziemlich bald, wie klein die Länder am Kaukasus eigentlich sind. Innerhalb weniger Stunden ist man eigentlich schnell in irgendeiner Hauptstadt, in der es dann auch Privatkliniken gibt. Das hat mich dann ziemlich beruhigt.

– Das Reisen hier war relativ entspannt. Kurze Entfernungen, Unterkünfte bei Familien inklusive Waschmaschine, Küche und Pflastern. Wir konnten auch oft noch Aufenthalte verlängern oder abbrechen, je nach Laune. Unser grösstes Kriterium waren Terrassengeländer: Da es hier keine Richtlinien gibt, kann jeder sein Geländer so gestalten, wie er will (und wie vielleicht auch ein Kleinkind hindurchfällt). Oft konnten wir schon anhand der Fotos online sagen, ob wir in die Unterkunft passen oder nicht.Und trotzdem war es schön, dass wir nach einer gebuchten Nacht noch verlängern konnten, wenn wir uns als Familie wohlgefühlt haben.

– Wir hatten immer Zugang zu allem, was wir brauchten. Überall in den Ländern gab es kleine Kioske, jede Menge Apotheken und Supermärkte, die bis tief in die Nacht offen hatten. Windeln, Feuchttücher, Milch oder Butterkekse – auch abends um elf konnten wir noch schnell etwas kaufen gehen. Die Versorgung war durchgehend gut, obwohl wir uns das im Vorfeld schwieriger vorgestellt hatten. Top!

– Wir konnten so viel lernen. Im Kaukasus gibt es jede Menge Geschichte: Klöster und Tempel, alte Städte und Überbleibsel der Seidenstrasse. Und wir als Eltern hatten nicht das Gefühl, irgendetwas zu verpassen. Wir haben allerdings auch keine geführten Touren gemacht (das wäre uns dann mit zwei kleinen Kindern doch zu anstrengend gewesen), sondern uns selbständig zu den Sehenswürdigkeiten aufgemacht und das oft mit einem Picknick verbunden. Wir konnten aber genauso wie die anderen durch die Zeit reisen und Luft der Vergangenheit schnuppern – und haben nebenbei noch jede Menge Einheimische kennengelernt und die Natur um die Sehenswürdigkeiten entdeckt.

Wenn du Fragen oder Ideen hast, lass einen Kommentar da!

Wir freuen uns jetzt auf die nächste Region, in die wir morgen reisen – Dubai and Oman, here we come!

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