Es gibt Gründe und Kartoffeln

Es gibt Gründe und Kartoffeln

/ 13. März 2019 /

Wir sitzen hier in unserer schönen Altbauwohnung in Visp und packen Kartons. Es tut gut, Ballast loszuwerden. Dinge wegzugeben, die wir wirklich nicht mehr brauchen und noch nie gebraucht haben. Die Frage, ob wir einen Gegenstand im nächsten Jahr in die Finger nehmen werden, stellt sich uns nicht. Denn wir werden nur das mitnehmen, was wir tragen können.

Wir haben beschlossen, als Familie unser behagliches Leben hier in der Schweiz zurück zu lassen. Wir kündigen unsere Jobs, die Wohnung, und packen Kartons, die in einer Scheune stehen werden. Wir geben ein sicheres und freundliches Umfeld auf und laufen los ins Unbekannte.

Es gibt Gründe für das alles. Es gibt diese Abenteuerlust, die sich mit einer Nachmittagswanderung nicht stillen lässt. Die einfach weiterschreit. Es gibt die Gespräche und Gedanken, die wir mit uns tragen, es gibt Unzufriedenheit in aller Behaglichkeit und

es gibt uns.

Die Jüngste und ich geniessen Pausen im Alltag.

Manchmal gibt es Kartoffeln mit Speck und Bohnen, und manchmal Kartoffelstock mit Spinat. Es gibt Nudeln, Nudeln, Nudeln und Fleisch. Wir wissen nicht, wie andere Menschen das mit dem Alltag schaffen, aber wir haben beschlossen,

den Alltag dieses Jahr

abzuschaffen.

Auf uns wartet das Fremde.

Wir werden komische Sachen essen und uns nach Kartoffeln sehnen.

Wir werden unseren Rhythmus auf den Kopf stellen und uns einen Alltag erkämpfen.

Wir werden stundenlang auf stotternde Busse warten und uns unendlich frei fühlen.

Wir werden ausserdem viele vertraute und innige Beziehungen zurücklassen (in der Hoffnung, dass wir wieder kommen dürfen) und uns für Menschen öffnen, die so anders und doch gleich sind.

Während wir denken, dass wir wahnsinnig sind und uns wahnsinnig freuen,

packen wir Karton um Karton, essen Kartoffeln mit Ketchup und bedanken uns bei Gott für diese Chance.

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