Advent, Advent, ein Surfer rennt

Advent, Advent, ein Surfer rennt

19.Dezember 2019

Es war eine schöne Zeit auf der Insel des ewigen Frühlings: 3 Wochen waren wir gemeinsam mit einer befreundeten Familie auf Teneriffa. Eine Insel, die viele von euch schon besucht und uns davon erzählt haben. Dieser Ort ist für uns jetzt mit eigenen Erinnerungen gefüllt. Mit 4 Erwachsenen und 5 kleinen, blondgelockten Kindern haben wir dort jede Menge eindrückliche Erlebnisse gehabt (Und so viel Kichern und Weinen, wie es in 24 Stunden mit Kindern Platz hat). Rosa Blüten und Kaktusgärten, Planschen am Wasser, steinige Strände in der Abendsonne, jede Menge beeindruckende Steine. 

Ein Kind fehlt immer…

Das hatte alles von einem schönen Urlaub und passte einfach so gar nicht zum Datum. Denn eigentlich ist Dezember und damit Hochsaison von Tannenzweigen, Glühwein und Stress. Advent.

Der Advent hat für viele Menschen sehr unterschiedliche Bedeutungen. Für einige ist er ein Pflichtprogramm im Jahr, das es abzuhaken gilt. Es geht um Traditionen, um Deko und um Kaufen. Andere hassen diese Zeit, vielleicht fliegen ein paar dieser Menschen demonstrativ nach Teneriffa zum Beispiel. Und wiederum andere versuchen, die theologische Bedeutung im Kirchenjahr – auf die Ankunft des Retters zu warten – in diesen Monat innerlich einzubauen. Wir gehören eigentlich zu den Letzteren. Und doch haben wir jetzt gemerkt: Das ist gar nicht so einfach.

Denn eigentlich ist es Humbug, in dieser Zeit von Besinnlichkeit und stillen Gedanken zu sprechen. Die bräuchte es nämlich, um über solche Sachen wie Retter und so alte Geschichten nachzudenken. Wer aber sein Haus verlässt, Kinder hat und oder irgendwo engagiert ist, der merkt: Advent ist purer Stress. Und selbst so manche schöne Tat oder tolle Aktion, jede noch so schöne Tradition kann jeden Gedanken an mehr wegfegen. Muss nicht, aber kann.

Und deshalb war es ein wenig befreiend, an so einem ganz anderen Ort zu sein. Nämlich unter Palmen, mit jeder Menge Meereswogen in den Ohren. Von Kinderkram einmal abgesehen, war die Zeit auf Teneriffa erstaunlich still. Kein Gedanke an Weihnachtsgeschenke, kein hektischen Termine. Wir vier Erwachsene nutzten die Chance, für ein Jahr dem Weihnachtszirkus zu entkommen und haben sie genutzt.

Natürlich ist es dann Humbug, in ein katholisches Land zu fliehen. Obwohl wir vor der afrikanischen Küste sind, fühlt sich Teneriffa eher an wie Spanien (mh, könnte an der Nationalität liegen). Und deshalb gibt es auch hier Weihnachtsbäume und volle Innenstädte am dritten Advent und sowieso. 

Aber wir als Aussenstehende können das gekonnt ignorieren. Wir spazieren am Strand und lutschen Eis, als gäbe es nur unsere Urlaubszeitrechnung. Und die sah bei beiden Familien folgendes vor: nach der Zeit zusammen nach Deutschland zu fliegen und mitten in den Weihnachtstrubel hinein. Das Fest mit der Familie geniessen zu können. Nur eben ohne Advent – denn den verbrachten wir ja in Flipflops und mit Paella.

Mich plagte dann doch das schlechte Gewissen: die Kinder würden sich wahnsinnig freuen, wenn sie ein bisschen von der Vorfreude auf Weihnachten mitbekommen würden. Und so initiierte ich, dass auch der Weihnachtsmann auf einen Besuch nach Teneriffa vorbei kam und nach deutscher Sitte etwas in den Stiefeln – in unserem Fall in den Sandalen – hinterliess. 

Ausserdem improvisierten wir einen Adventskalender aus einer Teneriffa Karte, und schnitten mit der Nagelschere kleine Türchen aus, die jedem Kind täglich ein neues, selbstgemaltes Tier präsentierten. Der Adventskalender hätte bestimmt niemals einen Schönheitswettbewerb gewonnen, aber die Kinder fanden es toll und freuten sich schon jeden Morgen, wieder ein Türchen zu öffnen.

Da war es also – ein Advent fernab von Weihnachtskonsum und Keksen. Es war einfach eine schöne Zeit mit viel Nähe. So viele grosse und kleine Menschen zusammen, so viele Gespräche und Gedanken. Und da fällt mir auf, was ich an dem Adventstrubel in meinem Leben bis jetzt vermisst habe, ohne es zu wissen. Diese Nähe. Der Gedanke, dass Gott sich ziemlich viel Mühe gemacht hat, uns zu nahe zu treten. Dass er eben kein ferner Richter bleibt und auch keine mysteriöse Energie. Sondern dass er sich so entpuppt hat, wie wir uns am besten nähern können – als Mensch. Und wo ich vorher noch beschämt war, dass ich nicht täglich ein Kerzchen angezündet habe und doch am liebsten noch mehr Geschenke basteln würde, so breitet sich jetzt bei mir Freude aus. Weil ich Nähe gespürt habe und dankbar bin, dass Gott mir – trotz mir und allem anderen – nahe ist.

Ich wünsche euch frohe Weihnachten. Freude an den Traditionen, an den ganzen Dingen, die diese Festtage so ausmachen. Aber auch die Lust auf die Zeit ohne. Auf Nähe und andere überraschende Entdeckungen.

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